* Romanik.de: Corvey, ehemalige Abteikirche St. Stephanus und Vitus, Nordrhein-Westfalen

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Corvey, ehemalige Abteikirche St. Stephanus und Vitus, Nordrhein-Westfalen

Zwei Vettern Karls des Großen, Adalhard d. Ä. und Walla gründeten um 815 eine Benediktinerabtei mit Mönchen aus Corbie in Hethis im Solling und siedelten sie kurz darauf nach Höxter um. Die Bauarbeiten begannen hier um 822, Ludwig der Fromme stiftete die Ländereien und eine Reliquie des hl. Stephanus, die Weihe fand 848 statt. Eine Reliquie des hl. Vitus wurde 836 aus St. Denis hierher gebracht.
Corvey, ehemalige Abteikirche St. Stephanus und Vitus, Nordrhein-WestfalenDie karolingische Kirche war eine lang gestreckte Basilika mit schmalen Seitenschiffen, Chor, Apsis und einer Außenkrypta mit zwei Seitenarmen und einem kreuzförmigen Mittelarm. Zwei rechteckige seitliche Räume wurden in romanischer Zeit zu einem Querhaus erweitert. In einer zweiten Bauperiode von 873 bis 885 wurde das Westwerk errichtet, von dem die unteren drei Geschosse heute noch erhalten sind. Es besaß neben den beiden Westtürmen noch einen zurückgesetzten Mittelturm. Vor dem Westwerk gab es ein Atrium mit flankierenden zweigeschossigen Bogengängen. Bei der Umbauphase 1146 bis 1159 wurden die Türme mit den Schallarkaden erhöht, der Mittelturm entfernt und die Front zwischen den Türmen erhöht. 1585 bis 1616 erhielten die Türme ihre Giebel und die spitzen Helme. Das Westwerk ist bis auf Partien um die oberen Arkaden in Bruchstein erbaut.
Corvey, ehemalige Abteikirche St. Stephanus und Vitus, Nordrhein-WestfalenDas gedrungene, 4 x 5-jochige Erdgeschoss mit seinen Pfeilern und Kreuzgratgewölben mutet wie eine Krypta an, erhielt aber erst um 1600 seine heutige, veränderte Gestalt. Über Treppen in den Türmen gelangt man in den darüber liegenden, zweigeschossigen Hauptraum, den „Johannischor“. Den hohen, quadratischen Mittelraum umgeben unten durch jeweils 3 Arkaden abgeteilte Nebenräume. Die Emporen darüber öffnen sich durch rundbogige Doppelöffnungen mit Mittelsäulen, Kapitellen und Überfangbögen, nach Westen in der Mitte durch eine größere, bis zum Boden reichende Öffnung mit Rundbogen. Die Ostseite, zum Kirchenraum in, wurde beim Einbau der barocken Orgel mit einer Bretterwand verschlossen. Reste farbiger Wandmalereien, zum Teil mit Motiven antiker Mythologie, wurden 1954-1961 entdeckt und freigelegt.
Die im 30-jährigen Krieg schwer beschädigte karolingische Kirche wurde 1665 abgetragen und 1667-1671 durch den heute bestehenden gotisierenden Saalbau mit zurückgesetztem Chor und reicher barocker Innenausstattung ersetzt.

Texte und Fotos: Michael Gläser

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Corvey, ehemalige Abteikirche St. Stephanus und Vitus, Nordrhein-Westfalen
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