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Dorfkirche Klein Schöppenstedt, Landkreis Wolfenbüttel, Niedersachsen

Der Ort wurde zeitweise Mönche-Schöppenstedt genannt, dies wohl deshalb, weil er mitsamt der Kirche 1231 an das Kloster Riddagshausen kam und daraufhin „gelegt“ wurde. 1331 wurde er von den Mönchen wieder neu aufgebaut und mit Bauern besiedelt.

An der Kirche fällt auf, dass der Turm im Osten steht. Die Giebelspuren an der Ostseite des Turms lassen zunächst vermuten, dass das Kirchenschiff früher im Osten stand wie in Bornum am Elm und wie es bei den anderen Kirchen dieser Gegend schon immer steht. Doch diese Vermutung hat sich im Zuge einer Fassadensanierung 2002 bis 2004 als irrig erwiesen. Dorfkirche Klein Schöppenstedt, Landkreis Wolfenbüttel, NiedersachsenEs handelt sich hier um eine Chorturmkirche, einmalig im Braunschweiger Land. Untersuchungen am Bauwerk haben ergeben, dass die Kirche ursprünglich aus einem kürzeren Schiff ohne Westturm, einem Chor und einer halbkreisrunden Apsis bestand. Noch vor der Einrichtung einer Grangie (von Laienbrüdern bewirtschaftetes Großgut der Zisterzienser) im Jahre 1248 wird über dem Chor der Turm errichtet worden sein. In gotischer Zeit hat man das Schiff um etwa 5 m nach Westen erweitert, worauf eine Mauerfuge an der Nordwand hinweist. Im 16. Jahrhundert wurde das südliche „Leichenhaus“ angebaut. Die Apsis, deren Spuren am Turm zu sehen sind, wurde Anfang des 19. Jahrhunderts entfernt. Die heutigen Fensteröffnungen haben in der Barockzeit die früheren mittelalterlichen ersetzt.

Dorfkirche Klein Schöppenstedt, Landkreis Wolfenbüttel, NiedersachsenMan betritt die Kirche durch die früher „Leichenhaus“ genannte Vorhalle. Innen ist die Kirche schlicht gehalten, mit einem großen Holzkruzifix über dem Altar. Ein 1984 aufgefundener, umfangreicher Reliquienschatz mit dem Siegel des Halberstädter Bischofs Volradus von Halberstadt (1256-1296) zeugt von der Bedeutung der Kirche zu dieser Zeit. Der noch um 1900 vorhandene spätgotische Klappaltar mit geschnitztem Mittelteil befindet sich heute im Herzog-Anton-Ulrich-Museum. Er war Bestandteil der damals vorhandenen Kanzelaltarwand, die erst nach 1945 entfernt wurde. Wie in vielen anderen evangelischen Kirchen befand sich auch hier an der früheren Kanzel eine Sanduhr mit vier Gläsern, die dem Pfarrer den Count-down für das Ende seiner Predigt anzeigte. Auch gab es einen barocken Taufengel. Übriggeblieben ist allein die noch heute verwendete zinnerne Taufschale mit der Jahreszahl 1778 und der Gravur „Kirche Mönche-Schöppenstedt“.

Siehe auch: Michael Gläser: Romanische Kirchen im Braunschweiger Land, Sutton-Verlag, Erfurt 2011, 14,95 €.

Texte und Fotos: Michael Gläser

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Dorfkirche Klein Schöppenstedt, Landkreis Wolfenbüttel, Niedersachsen
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