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St. Patrokli zu Soest, Nordrhein-Westfalen

Der Kirchenbau hat sich in schrittweisen Erweiterungen über einige Jahrhunderte hingezogen. Baubeginn war in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts, nach der Gründung eines Kollegiatsstifts durch den Kölner Erzbischof Bruno im Jahre 954. Es entstand eine rechteckige Saalkirche mit östlichem Querhaus und vermutlich einer halbkreisrunden Apsis. Ende des 11. Jahrhunderts wurde sie durch einen quer angeordneten rechteckigen Westbau ergänzt, der als vierschiffige, zweijochige Halle mit Empore und wahrscheinlich einem Turm ausgeführt wurde. Anfang des 12. Jahrhunderts folgten die Anbauten der Seitenschiffe mit Kreuzgratgewölben, des Chors mit der halbkreisrunden Apsis, der Apsis am nördlichen Querhausarm und der Sakristei am südlichen Querhausarm. Eine Krypta wurde unter dem Chor und der Sakristei in fünf Schiffen und elf Jochen bis unter die westlichen Vierungspfeiler angelegt. Mitte des 12. Jahrhunderts erfolgten die Einwölbung der Querhausarme und der östlichen Mittelschiffjoche und der Bau der Paradiesvorhalle am nördlichen Querhausarm. 1166 fand die Hauptweihe der Kirche statt. Zwischen 1190 und 1230 errichtete man den jetzigen Westbau mit dem 82 m hohen, quadratischen Turm in der Breite des Mittelschiffs, an drei Seiten umgeben von einem zweigeschossigen Unterbau in der Breite des dreischiffigen Langhauses. 1817 wurde die Krypta abgebrochen, weil man den Chor tiefer legte. Im zweiten Weltkrieg wurde der Chor zerstört und der Westbau schwer beschädigt. Beim Wiederaufbau des Chors wurde unter diesem ein Teil der Krypta wiederhergestellt.

Als Archidiakonatskirche gehörte sie im Mittelalter zum Erzbistum Köln. Als 1180 der Erzbischof auch weltlicher Landesherr wurde, mussten die Soester an ihn auch entsprechende Abgaben entrichten und Lasten tragen. Als selbstbewusste Bürger einer florierenden Handels- und Hansestadt am Hellweg erhoben sie sich schließlich gegen den Erzbischof, um sich nach der für sie siegreichen Soester Fehde (1444-1449) künftig dem Herzog von Kleve zu unterstellen.

St. Patrokli zu Soest, Nordrhein-WestfalenHeute zeigt sich die Kirche als eine kreuzförmige, dreischiffige Basilika im gebundenen System mit Haupt- und nördlicher Nebenapsis, südlichem Sakristeianbau, mächtigem Westbau mit Vorhalle und quadratischem Turm sowie Paradies am nördlichen Querhausarm. Über der Vierung erhebt sich eine schmale Laterne mit hoher pyramidaler Haube. Neben erhaltenen kleinen romanischen Rundbogenfenstern finden sich auch große Spitzbogenfenster aus dem 16. Jahrhundert. Den Turm schmücken auf jeder Seite eine Reihe aus fünf Zwillingsfenstern mit Teilungssäulen und Überfangbögen, darüber eine Reihe aus vier getreppten, sonst ähnlichen Drillingsfenstern. Der Haupteingang führt durch die Vorhalle an der Westseite. An der Paradiesvorhalle am Nordarm des Querhauses befindet sich ein Rundbogenportal mit einem Tympanonrelief.

St. Patrokli zu Soest, Nordrhein-WestfalenIm Innern sind Mittel- und Seitenschiffe durch Arkaden auf Pfeilern geteilt und mit Kreuzgratgewölben gedeckt, im Mittelschiff auch mit Gurtbögen. Die Chorapsis wurde nach dem Wiederaufbau in Anlehnung an romanische Vorbilder von Peter Hecker modern ausgemalt. Die nördliche Nebenapsis, der Marienchor, wurde Ende des 12. Jahrhunderts ausgemalt und inzwischen restauriert. In der Mitte, in einer Mandorla, thront Maria mit dem segnenden Jesuskind auf ihrem linken Bein, links nähern sich die drei Weisen, rechts reicht der Engel Gabriel dem Kind den Reichsapfel, daneben sind Anna und Joachim, die Eltern Marias dargestellt. Zu Füßen der drei Weisen lugt der hl. Patroklus hervor. Das mittlere Fenster der Apsis, das um 1200 entstandene Wurzel-Jesse-Fenster, befindet sich heute im Dom-Museum. Für dieses und die beiden anderen Fenster hat Hubert Spierling 2005 die neuen Fenster hergestellt. Auf dem Altar des Marienchors steht eine Madonnenstatue aus dem 15. Jahrhundert. Die Turmhalle öffnet sich vom Mittelschiff durch eine Doppelarkade, über der sich eine zweischiffige Empore erhebt. Im Zwickel der Doppelarkade, auf einer Säule, posiert St. Patroklus mit erhobenem Schwert, eine farbige Holzfigur von 1320.

Texte und Fotos: Michael Gläser

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