* Romanik.de: St. Severin zu Keitum auf Sylt, Schleswig-Holstein

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St. Severin zu Keitum auf Sylt, Schleswig-Holstein

Der Sage nach soll der Dänenkönig Knut der Große (1018-1035) Geld und Steine für den Bau einer Kirche in Keitum gegeben haben. Die heutige Gestalt der Kirche lässt jedenfalls auf eine Bauzeit in der Romanik schließen, deutlich vor ihrer ersten urkundlichen Erwähnung im Jahre 1240. Allein der Turm und der südliche Vorbau, der Kalfaster, entstanden in spätgotischer Zeit.
Die Kirche besteht aus einem fast quadratischen Turm mit längs ausgerichtetem Satteldach, einem Schiff, einem zurückgesetzten Chor und einer halbkreisrunden Apsis. Das Mauerwerk von Schiff, Chor und Apsis besteht unten aus naturfarbenen Granitquadern und darüber aus weiß verputztem Tuff und Backstein. Am Turm sieht man Backstein mit Granitquadern im Fundament und vereinzelt auch darüber. Kreuzbogenfriese an Blendfeldern und Treppenfriese schmücken die Apsis, Zickzack- und Rautenfriese den Chor und das Schiff und schlanke, gestufte Blendfenster den Turmgiebel. Von den drei kleinen rundbogigen Apsisfenstern ist nur noch das östliche mit einer getreppten, unterschiedlich gezähnten und quasi frei schwebenden Archivolte erhalten. Im Innern sind noch die Nischen der zugemauerten beiden anderen Fenster vorhanden. An der Nordseite erscheinen die zwei Fenster des Chors nahezu unverändert, die fünf des Schiffs nur leicht spitzbogig verändert ebenso wie die Schiffsfenster der Südseite. Die Chorfenster der Südseite hingegen entstanden im 19. Jahrhundert. An Nord- und Südseite des Schiffs befindet sich je ein Rundbogenportal mit Tympanon, ein kleineres, die ehemalige Priesterpforte, an der Südseite des Chors - durch den Kalfaster zu erreichen. Heute betritt man die Kirche durch den Nordeingang des Turms. St. Severin zu Keitum auf Sylt, Schleswig-HolsteinDer Turm war bis 1603 Seezeichen und diente bis 1803 auch als Gefängnis. Noch immer vermittelt sein steinsichtiges Untergeschoss das beklemmende Gefühl, eingemauert zu sein. Erst 1981 wurde es zum Kirchenschiff hin geöffnet und dient seitdem als Eingangshalle.
Der Innenraum mit bemalten, flachen Holzdecken wird durch einen Triumphbogen in Schiff und Chor unterteilt. Unter einem zweiten Bogen öffnet sich die Apsis mit einer Halbkuppel. Reste von farbigen Wandmalereien sind an verschiedenen Stellen freigelegt. Über der nördlichen Bankreihe des Schiffs erstreckt sich eine Empore. Südlich, vor dem Triumphbogen erhebt sich eine Renaissancekanzel von 1580, die 1699 von Mögeltondern hierher kam. Sie zeigt Adelswappen und die christlichen Tugenden, die justitia hier mit blutendem Herz - ein Symbol für die Liebe. St. Severin zu Keitum auf Sylt, Schleswig-HolsteinEin spätgotischer Schnitzaltar steht in der Apsis. Bei geöffneten Flügeln sehen wir in der Mitte den Gnadenstuhl, auf dem Gottvater den auferstandenen Christus präsentiert, links Maria mit dem Jesuskind und rechts den heiligen Severin im Bischofsornat. In den Flügeln sind die 12 Apostel dargestellt (wie üblich wurde Judas durch Paulus ersetzt). Die Rückseiten der Flügel tragen stark beschädigte Tafelbilder mit Darstellungen aus der Passionsgeschichte. Die Predella zeigt ein Abendmahlsbild von 1705. Der Müllerstuhl im Chor war die Loge für den wohlhabensten Keitumer. Er diente vorher als Beichtstuhl. Das älteste Ausstattungsstück ist der Taufstein vom Anfang des 13. Jahrhunderts. Der zylindrische Sandsteinkessel mit umlaufenden Ornamenten steht auf einem Sockel mit quadratischer Fußplatte, an deren Ecken vier Löwen liegen.

Texte und Fotos: Michael Gläser

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Standort
St. Severin zu Keitum auf Sylt, Schleswig-Holstein
Pröstwai 20
25980 Sylt/Keitum
Deutschland
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