* Romanik.de: Notre-Dame–la-Grande zu Poitiers, Vienne, Frankreich

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Notre-Dame–la-Grande zu Poitiers, Vienne, Frankreich

Wann es die erste Kirche in der bereits vor Ankunft der Römer im Jahre 52 existierenden Stadt gab, ist nicht bekannt. Belegt ist, dass es in karolingischer Zeit eine Kollegiatskirche gab, von der noch einige Reste vorhanden sind. Auch über den Baubeginn der heutigen Kirche gibt es keine Dokumente. Etwa zwischen 1030 und 1040 sind der Chor, der Chorumgang und drei sternförmig angeordnete Kapellen entstanden, zwischen 1050 und 1080 das Schiff, kürzer als das heutige, mit einer der ersten Steinwölbungen. Die Einweihung wurde am 9. Juli 1086 durch Kardinal Eudes aus Châtillon und knapp zwei Jahre später durch Papst Urban II vorgenommen. Von 1090 bis 1130 entstand der Westteil mit einer Vorhalle, wohl mit einem Turm, die dann wieder abgetragen wurden, um das Schiff um zwei Joche zu verlängern und dann die großartige Westfassade zu errichten, so wie sie sich noch heute darstellt. An der Nordseite wurde im 13. Jahrhundert ein Kloster angebaut und 1859 wieder abgetragen. Im 15. und 16. Jahrhundert entstanden die gotische Vorhalle im Süden und die von wohlhabenden Familien gestifteten Kapellen im Süden, Osten und Norden. Es waren die Hugenotten, die um 1562 die Köpfe vieler Figuren der Fassade abschlugen und die Kirche plünderten. Relativ verschont blieb sie während der französischen Revolution, war aber schon zu dieser Zeit nicht mehr in bestem Zustand. Seit 1840 als historisches Monument klassifiziert, wurde sie im 19. Jahrhundert restauriert, der Zeit, in der auch die vorherrschende Innenausmalung entstand. Nur wenige Ausmalungen im Chor haben sich aus dem Mittelalter erhalten. 1992 bis 1994 wurde die Westfassade restauriert, da sie durch allgemeine Luftverschmutzung und durch das Salz von Salzsiedern im 18. Jh. angegriffen war.

Notre-Dame–la-Grande zu Poitiers, Vienne, FrankreichDie Westfassade ist ein außergewöhnliches Zeugnis romanischer Bildhauerkunst. Die senkrechte Achse bilden das Portal, ein großes Rundbogenfenster und oben die Christusfigur in einer Mandorla. Die Blendarkaden zu beiden Seiten zeigen unten je eine neben dem Portal, mit eingestellten Doppelarkaden, Halbsäulen und Kapitellen. In dem Fries darüber sind Szenen aus dem alten und neuen Testament dargestellt. Zu beiden Seiten des großen Fensters liegen zwei Arkadenetagen mit den 12 Aposteln und zwei Figuren mit Bischofsstab, wohl dem Bischof von Poitiers und dem Papst. Der Fries zeigt von links nach rechts den Sündenfall, Nabuchodonosor, der den Messias vorhersagt, die Propheten Daniel, Jeremias, Isaias und Moses, deren Schriften ebenfalls auf den Messias hinweisen, die Verkündigung, der Baum Jesse, der Besuch Mariens bei ihrer Kusine Elisabeth, die Geburt Jesu, das Baden des Jesuskinds in einer kelchförmigen Wanne durch zwei Hebammen, Joseph und zwei ringende Männer, wahrscheinlich Jakob und ein Engel. Das Baden des Jesuskinds durch die beiden Frauen wird von Interpreten mit Salome in Zusammenhang gebracht, die im apokryphen Protevangelium des Jakobus die Jungfräulichkeit Mariens bezweifelt, diese mit dem Finger prüft, daraufhin mit dem Verdorren ihrer Hand bestraft und schließlich durch Berühren des Jesuskinds wieder geheilt wird. Zahlreiche Menschenköpfe, Chimären, Monster und Fabelwesen finden sich an Kapitellen, Rundbögen und anderen Stellen der Fassade.
Notre-Dame–la-Grande zu Poitiers, Vienne, FrankreichBemerkenswert sind außerdem das romanische Portal mit Vorhalle an der Südseite und der mit Steinschuppen gedeckte Vierungsturm, ebenso wie die beiden Türmchen an den Seiten der Westfassade.
Im majestätischen Dunkel des Innenraums beeindruckt die flächendeckende Farbgebung der Säulen, Decken und Wände aus dem 19. Jahrhundert. Am Ende des Chors steht eine Marienfigur mit dem Jesuskind, die „Jungfrau mit den Schlüsseln“, zu der eine Legende überliefert ist, in der die Schlüssel der Stadttore eine wichtige Rolle spielen.

Texte und Fotos: Michael Gläser

Adresse / Kontakt:

Standort
Notre-Dame–la-Grande zu Poitiers, Vienne, Frankreich
11, rue de l’université
86000 Poitiers
Frankreich
Telefon Telefon: +33-549412256
E-Mail E-Mail: E-Mail schreiben
Homepage Homepage: http://www.catho-poitiers-centre.fr