* Romanik.de: Sainte-Marie-Madelaine zu Vézelay, Yonne, Frankreich

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Sainte-Marie-Madelaine zu Vézelay, Yonne, Frankreich

Nach einer Legende soll Maria Magdalena von Palästina in die Provence nach Saintes-Maries-de-la-Mer gezogen und in Saint-Maxim begraben worden sein, von wo man dann ihre Reliquien nach Vézelay brachte. Selbst Wallfahrtsort, war und ist der Ort auch Ausgangspunkt und Zwischenstation des Wallfahrtsweges nach Santiago de Compostella. Bernhard von Clairvaux hatte hier Ostern 1146 zum zweiten Kreuzzug ins heilige Land aufgerufen.

Das Kloster (zuerst für Frauen, später für Männer) wurde im Jahre 858 oder 859 gegründet. Die erste, karolingische Kirche wurde 878 eingeweiht. Ihre Krypta ist bis heute erhalten. 1096 bis 1104 wurden ein neuer Chor und eine neues Querhaus erbaut. Nach einem Brand 1120 wurde das Langhaus wieder aufgebaut. Da man von West nach Ost baute und dabei von der Chorachse abwich, entstand der leichte Knick im Grundriss. Auch einige andere große mittelalterliche Kirchen weisen ähnliche Knicks auf, über dessen Ursache oder Bedeutung bis heute keine Klarheit herrscht. Die dreischiffige Vorhalle und die Fassade entstanden zwischen 1135 und 1150. Chor und Querhaus wurden von 1190 bis 1215 in gotischem Stil erneuert. 1260 wurde der der Südturm St. Michael des Westwerks fertig gestellt. Südlich der Vierung entstand der Turm St. Antoine. Nach Beschädigungen während der Reformation und der französischen Revolution und zunehmenden Verfallserscheinungen hat man die Kirche schließlich auf Betreiben von Prosper Mérimée von 1840 bis 1859 auf Staatskosten restauriert. 1979 wurde sie Weltkulturerbe der UNESCO. 1993 haben sich Mönche und Klosterfrauen der Fraternité monastique de Jérusalem in den Klostergebäuden eingerichtet. 1997 begannen neue Restaurierungsarbeiten.

Sainte-Marie-Madelaine zu Vézelay, Yonne, FrankreichSainte-Marie-Madelaine zu Vézelay, Yonne, FrankreichDie Kirche ist eine dreischiffige Basilika mit Querhaus, Chor, mit einem Kapellenkranz umgebener Apsis und einer dreischiffigen, dreijochigen Vorhalle, auf der von den zwei geplanten Türmen nur der südliche vollendet wurde. Von den nach Süden anschließenden Klostergebäuden steht noch der vom Querhaus ausgehende Ostflügel. Über den drei Eingangsportalen und den drei Portalen zum Langhaus erhebt sich je ein Tympanon, von denen die zum Langhaus bemerkenswerte romanische Reliefs aufweisen. Das mittlere zeigt Christus in einer Mandorla, seine Hände zu den Aposteln ausgebreitet, umgeben von Friesen, in denen Handwerker und reale und mythische Völkergruppen dargestellt sind. Das rechte zeigt Szenen aus Jesu Kindheit, das linke aus der Zeit nach seiner Auferstehung.

Die Position der Fenster im Obergaden des Mittelschiffs wurde so gewählt, dass beim höchsten Sonnenstand im Jahr (Sommersonnenwende, 12 Uhr Ortszeit) das einfallende Sonnenlicht eine Lichterkette auf den Boden exakt in der Mittelachse der Kirche wirft. Bei Wintersonnenwende berühren diese Lichter die nördlichen Kapitelle der Gurtbögen. So haben die Architekten einen Bezug kosmischer Erscheinungen zu religiösen Vorstellungen, wie er schon in prähistorischen Bauten zu finden ist, in einem christlichen Bauwerk eindrucksvoll realisiert.

Texte und Fotos: Michael Gläser

Adresse / Kontakt:

Standort
Sainte-Marie-Madelaine zu Vézelay, Yonne, Frankreich
4 route de l‘Etang
89450 VEZELAY
Frankreich
Telefon Telefon: +33-3 86 33 37 88
E-Mail E-Mail: E-Mail schreiben
Homepage Homepage: http://vezelay.cef.fr/